Ein altes chinesisches Sprichwort besagt, dass die Summe der Teilchen nicht das Ganze ist. Diese umfassende Wahrheit über alles in unserem Leben, ganz gleich, in welcher Zeit und welchen Lebensumständen wir uns befinden, wurde von Laozi bereits im 6. Jahrhundert vor Christus aufgestellt.

Was aber „das Ganze“ wirklich für einen Menschen bedeutet, sollte und kann der Mensch für sich nur allein herausfinden. In einem Lebenszyklus wird sich die Bedeutung des Ganzen für einen selbst immer wieder verändern oder anwachsen. Bewusstes, lebenslanges Entwickeln unseres Selbst sollte laut Philosophie und Religion die zugrunde liegende Aufgabe sein, mit welcher wir geboren werden. Aber auch die Wissenschaft, insbesondere die Forschungen rund um die Themen Bewegung, Ernährung, Stress usw. verbindet sich heutzutage immer weiter mit den früher eher philosophischen Glücksfaktoren und bestätigt diese.

Im Grunde genommen sind wir also mit der Entwicklung unseres Lebensglücks nie wirklich fertig und erleben die fortschreitende Veränderung dessen, was uns zufrieden und glücklich macht. Zufriedenheit könnten wir aber genau in dieser Wahrheit finden. Diese Wahrnehmung zu erreichen, den individuellen Umgang damit zu erlernen, ist ein lebenslanger, niemals endender Prozess. Die Dinge um uns empfinden wir zwar, mal mehr und mal weniger, als ausreichend zum Leben und „zufriedenstellend“. Was heute Zufriedenheit und Glück verheißt, verändert sich mit dem, was wir erreicht und angeeignet haben. Aber, kann man dann wirklich glücklich sein? Kann man glücklich sein, wenn man traurig ist, wenn man weint, wenn man sehr schwierigen Einflüssen ausgesetzt ist und das Leben offensichtlich „besser“ zu einem sein kann? Das kommt mutmaßlich darauf an, wie jeder mit sich und seinem Leben umgeht. In unseren Breiten ist es für viele Menschen sehr schwierig, sich glücklich zu fühlen. Irgendwie gibt es immer etwas, womit man sehr unzufrieden ist, worüber sich beschwert wird. Dabei geht es uns in Deutschland eigentlich sehr gut, nur haben wir oft verlernt, das Gegebene richtig wertzuschätzen und effektiv, für uns selbst einzusetzen.

Zum Beispiel lag der in Deutschland gemessene Glücksindex 2019 noch bei 7,14 – bereits ein Jahr später ist dieser auf 6,92 (Skala von 0-10) gefallen und er fällt weiter. Sehr viele Menschen lebten in den vergangenen 40 Jahren in der Annahme, dass man hier alles zur Verfügung gestellt bekommt, um letztlich dadurch nur gesund und zufrieden sein zu können. Unsere Möglichkeiten sind diesbezüglich auch wirklich sehr vielfältig, weltweit in vielen Bereichen sogar einzigartig.

Wir wachsen mit dem Komfort bereits ab der frühesten Kindheit zusammen, ganz egal zu welcher sozialen Schicht wir zuzuordnen wären. Dadurch entstehen aber auch unzählige Missverständnisse und Herausforderungen. Was uns nicht beigebracht wird, ist die Fähigkeit, die wesentlichen Verbindungen zwischen den bestehenden Angeboten und Möglichkeiten, die individuellen Ergänzungen für z. B. Gesundheit, Sicherheit und Wohlstand, selbst zu besorgen, bzw. besorgen zu können.

Schaut man von außen auf unseren Komfort, unsere Möglichkeiten, dann leitet sich schnell davon ab, wie glücklich, wie gesund und lebenswert alles hier ist. Aber die Meisten haben sich hier immer mehr daran gewöhnt, die Verantwortung für Gesundheit, soziale Absicherung, Einkommen, Infrastruktur, Bildung, Konflikte usw. in die Hände unserer Legislative, Judikative und Exekutive zu legen.

Den Institutionen des Rechtsstaats wird völlig unbegründet ein erhöhtes Grundvertrauen für eine Glücksformel übergeben – dabei betrachte ich, also auch Du, viele Faktoren zum glücklich sein anders, als z. B. meine Nachbarn, meine Eltern oder z. B. meine Kinder. Auch zeitlich verändern sich die Sichtweisen und Empfindungen dazu kontinuierlich, was wirklich glücklich macht. Für viele war früher stets alles besser. Diese Wahrnehmung ist, bezogen auf die Rechte und Pflichten in Deutschland, auf die Versorgungsgrundlagen usw., in Bezug auf die gesamte Gesellschaft, ganz und gar nicht stimmig.

Aber die individuellen Schwerpunkte der Menschen verändern sich. Wie jeder Einzelne mit dem Gegebenen glücklich leben, wie konstruktiver Umgang mit den Herausforderungen im Außen und im Innen erreicht werden kann, ist bezüglich der Lebenssituationen jedes Einzelnen oft sehr unterschiedlich. Im Grunde genommen heißt das für uns, dass wir es uns erlauben können, uns um unsere individuellen, unsere ganz persönlichen „Probleme“ zu kümmern. Dafür braucht es aber häufig einen Startpunkt und Unterstützung, welche nicht kostenlos, nicht selbstverständlich über die konventionellen Angebote einer sehr großen und starken bürgerlichen Gemeinschaft geleistet werden können.

Die Annahme zum Beispiel, dass Gesundheit die Aufgabe unseres Krankensystems sei, führte zu einer extremen Überlastung der öffentlichen Kapazitäten. Dies betrifft auch weitere Bereiche unseres Sozialstaats. Heute leiden die verwaltenden und versorgenden Institutionen unter starkem Personalmangel. Z. B. in den Zuständigkeitsbereichen von Ämtern, Beratungsstellen, Ärzten, der Alters- und Krankenpflege, Gerichten, der Polizei und Feuerwehr herrscht ein existenzieller Mangel an Fachpersonal.

Hinzu kommen bedeutende globale Veränderungen in kürzester Zeit, welche aktuell eine undefinierte Welt in der Zukunft bedeuten. Inflation, digitale Revolution, Klimawandel, Ressourcenknappheit, Kriege…die Welt verändert sich in unbekanntem Ausmaß und mit unfassbarer Geschwindigkeit.

In Deutschland verlassen sich dabei sehr viele Menschen auf die Institutionen des Rechts-, bzw. Sozialstaats, obwohl unsere Gesellschaftsstrukturen nicht an die heutigen Herausforderungen angepasst wurden, und diese erst recht nicht auf die Situationen in der Zukunft vorbereitet sind. Jahrzehntelang lebten wir in diesem Land zuversichtlich bezüglich unserer hohen Werte und sozialen Errungenschaften, haben großes Vertrauen auf unseren Bildungs-, Gesundheits- und Verwaltungssysteme, auf die soziale Marktwirtschaft, die Unbestechlichkeit und Unabhängigkeit der Medien gebaut und unsere Kinder entsprechend erzogen. Aber die Rahmenbedingungen haben sich erheblich verändert, die Welt um uns herum hat sich erheblich verändert, die Aussichten für die Zukunft haben sich erheblich verändert. Im Resultat erleben wir heute erhebliche und unerwartete Belastungen für eine Bevölkerung, welche immer mehr das Gefühl wahrnimmt, dass etwas fehlt. Dies war eigentlich, denkt man genau darüber nach, schon immer so, irgendetwas hat doch eigentlich jedem gefehlt. Kann es also sein, dass die Lücken in den Versorgungsstrukturen, die Probleme der Überbevölkerung, des Klimawandels, der Fehlernährung, der Gesundheitssysteme usw. heute größer, oder spürbarer geworden sind?

Auf dem Weg zu Gesundheit und Zufriedenheit erschweren oder verhindern unsere bestehenden gesellschaftlichen Angebote mittlerweile sogar viele Antworten und Möglichkeiten – meistens ist weniger einfach mehr. Aber wie kann man das als Mensch lernen, dies für sich erkennen und es auch zu fühlen? Die meisten Menschen gewöhnten sich aber in der Vergangenheit daran, große Teile der Verantwortung für das eigene Wohl in die Hände der Gesellschaft zu legen. Immer mehr bestätigt sich, dass wir zwar sehr gute Hilfsmittel zur Verfügung gestellt bekommen, aber für ein glückliches Leben nur mit eigener Verantwortung und Arbeit sorgen können. Gibt es jemanden, der mir dabei helfen kann, die verschiedensten Bereiche des Lebens zu verbinden, strukturieren und so zu sagen „Herr meiner Lage“ zu werden?

Einige bedenkliche Gegensätze für die Entwicklung des „Glückspotentials“ in Deutschland (Stand Juni 2022):

Derzeit leben 59% der Erwachsenen mit Übergewicht oder sogar Fettleibigkeit (Fettleibigkeitsbericht der WHO 2022).
Mehr als 8 Millionen Menschen leiden dabei an Diabetes (Typ2), die geschätzte Dunkelziffer liegt mittlerweile bei geschätzt 2 Millionen Menschen.
Nach Corona erfüllt bundesweit jeder Vierte die Kriterien einer psychischen Erkrankung (Quelle: DGPPN).
2022 sind über 20% der Bevölkerung von Armut und/oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
2020 wurde festgestellt, dass mehr als 20% der Menschen in Deutschland wegen Arthrose behandelt wurden.
2021 wurde uns über die Parteien, im Zuge der Bundestagswahlprogramme noch irgendeine Grenze von 1,5° bezüglich der Begrenzung der Erderwärmung angeboten. Nicht mal ein Jahr später ist den Nachrichten der öffentlich rechtlichen Sender die Nachricht, dass diese Erwärmung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bereits 2026 überschritten wird, gerade mal ein Tag in der Berichterstattung wert.

Obwohl die Erderwärmung die größten globalen Veränderungen und vor allem Gefahren der letzten 10.000 Jahre bedeutet, die Anzeichen dafür bereits seit Langem offensichtlich und für jeden spürbar sind, kennen sich in Deutschland derzeit geschätzt unter 1% der Bürger mit den tatsächlichen Ausmaßen des Klimawandels und seiner Bedeutung auf sämtliche gesellschaftlichen Strukturen aus.

Die Inflation beträgt im Sommer 2022 in Deutschland über 7,8% und steigt weiter an. Die Werkzeuge der Wirtschaftskreisläufe haben darauf nicht weiter den gleichen Einfluss, wie noch in den vergangenen Jahrzehnten, denn die Ressourcenknappheit, der desolate Zustand unserer Umwelt und die explodierenden Bevölkerungszahlen haben sämtliche Wachstumsmodelle und regulierenden Mechanismen mittlerweile fest im Griff. „Wir“ haben die Kontrolle verloren und wissen nicht, was „wir“ nun tun sollen, bzw. unternehmen können. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern die einheitliche Feststellung unabhängiger Größen der Wirtschaft und Wissenschaft.

Diese und viele vergleichbare Situationen ziehen sich wie rote Fäden durch unsere Systeme. Egal ob Bildung, Verwaltung, Sicherheit, Versorgung, Ernährung, Bewegung, Medien, überall sind die Kapazitätsgrenzen bereits längst erreicht, oder sogar überschritten. Im Zuge der medialen Entwicklung werden wir dazu mit einer Schwemme von Inhalten konfrontiert, zu welchen wir oft nicht in der Lage sind zwischen Wahrheit und Fake zu unterscheiden. Es fehlt an nachvollziehbarer und verlässlicher Aufklärung sowie Hilfestellung für den eigenen Umgang damit.

Bei all den negativen Faktoren vergessen wir aber häufig, dass die Voraussetzungen in anderen Regionen der Erde längst nicht so komfortabel sind, wie wir es in Deutschland als Normalität empfinden. Wir leiden so zu sagen auf sehr hohem Niveau und versäumen dabei viel zu oft, die gegebenen Möglichkeiten zu erkennen und eine effektive Entwicklung damit zu entwickeln. Vor allem sinkt die Bereitschaft, bzw. das Vermögen, sich persönlich mit den heutigen Rahmenbedingungen intensiv zu beschäftigen und die gegebenen Möglichkeiten effektiv und konstruktiv einzusetzen.

Immer mehr macht sich der Gegensatz bemerkbar, dass die Menschen in unserem Land glücklich – also vor allem gesund und belastungsfrei – sein möchten, den eigenen Einsatz und die Eigenverantwortung dafür aber immer weiter in einer Form der Resignation darbieten. Das FAZIT daraus ist, dass „ẃir“ zwar wollen, aber nicht wissen wie es gehen soll.

Die Symptome, welche der heutigen Zeit definitiv zuzuordnen sind, erscheinen vielfältig. Innere Unzufriedenheit und Unruhe sind dabei nur der Anfang, denn Fehlernährung, Schlaflosigkeit, Schmerzen und entsprechend folgende chronische Beeinträchtigungen des Körpers und der Psyche, zählen mittlerweile zu Volkskrankheiten und betreffen die meisten von uns. Eine wichtige Gemeinsamkeit besitzen aber sämtliche der letzteren Entwicklungen und dies ist auch ein wichtiges Indiz für effektive Hilfe, bzw. Unterstützung…am Anfang steht meist das mangelnde Bewusstsein und der fehlende konstruktive Umgang mit Stress.

Ganzheitliches Coaching begründet eine Zusammenarbeit zwischen dem so bezeichneten ganzheitlichen Coach und dem Menschen in seinem gesamten Lebensumfeld. Dabei unterstützen sowohl fachliche Kenntnisse und Kompetenz im Umgang mit fachspezifischen Beiständen sowie Hilfen. Auch Methodik aus den Anwendungsgebieten des Kommunikationsmanagements, also z. B. des systemischen Coachings oder der Mediation, der körperorientierten Trainings sowie Therapien, der Psychologie und der jeweils zugehörigen rechtlichen oder auch ethischen Rahmen.

Aufgrund des möglichen Umfangs der Zusammenarbeit handelt es sich bei einer Zusammenarbeit nicht um das, was man klassisch unter einem Coaching versteht. In Deutschland wird das Berufsfeld des Coaches leider generell verkannt, denn so etwas, wie z. B. einen Job-, Life- oder Businesscoach, welcher eine fachbezogene Beratung mit Methoden des Coachings verbindet, kann es per Definition eigentlich gar nicht geben.

Der ganzheitliche Coach begründet sich also vor allem über die Zuständigkeiten im Zuge seiner Tätigkeit und die entsprechende Verbindung diesbezüglich mit seinen Kernkompetenzen. Die systemische Grundlage und ganzheitliche Orientierung ermöglicht Coaching, Beratung, Begleitung, Training und alternative Schlichtungsverfahren mit nur einem Ansprechpartner. Ein ganzheitlicher Coach unterstützt bei Bedarf, z. B. auch im Zuge wichtiger Behördengänge, gerichtlichen Auseinandersetzungen, Konflikten im familiären Umfeld, am Arbeitsplatz, bei Ärzten und Therapeuten. Er stellt eine wichtige Schnittstelle und moderne Unterstützung im Alltag dar.

Hemmnisse und Missverständnisse erkennen und abbauen, Möglichkeiten und bestehende Angebote effektiv nutzen, mit Ängsten umgehen und verlässliches Wissen rund um den Menschen erreichen…dies kann nur nachhaltig und selbstbestimmt ablaufen, wenn der Mensch seine eigenen Fähigkeiten und Kräfte dafür einsetzt und Mut für die eigene Selbstbehauptung erreicht. Hier kommt die Beratungskompetenz des ganzheitlichen Coachs zum Tragen. Wenn ein ganzheitlicher Coach teils auch psychologische Beratungen vornimmt und aus therapeutischen Vorgehensweisen ableitet, so ist nimmt er aber nicht die Position eines Arztes oder Therapeuten ein.

Wer im Zuge eines ganzheitlichen Coachings an Hürden gerät, welche man nicht selbstbestimmt und eigenständig überwinden kann, so müssen entsprechende Fachkompetenzen, wie z. B. Ärzte, Psychotherapeuten oder auch Rechtsanwälte, konsultiert werden. Der ganzheitliche Coach unterstützt bei der Entwicklung derartiger Vorgehensweisen und arbeitet ggf. auch begleitend und ergänzend.

„Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut werden, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist“ (Marcus Tullius Cicero)